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liebig : konkret

Ausstellung vom 2. Mai bis 6. Juni 2003
anläßlich des 200. Geburtstages von Justus Liebig

12 Künstler der Galerie mit Arbeiten zum Liebig-Jahr:

BETTINA BRENDEL, Los Angeles (U.S.A.)
HELLMUT BRUCH,
Hall/Tirol (A)
INGE DICK,
Loibichl (A)
HEINZ GAPPMAYR,
Innsbruck (A)

EUGEN GOMRINGER,
Rehau (D)
EDDA JACHENS,
Leipzig (D)
JOSEF LINSCHINGER,
Linz/Traunkirchen (A)
HELLA NOHL,
Gießen/Berlin (D)
JOHANNES RICHTBERG NOHL,
Berlin (D)
THOMAS VINSON,
Frankfurt/Paris (D)
PETER VOGEL,
Freiburg (D)
PETER WEBER,
München (D)

 

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Einführungsrede von Prof. Heinz Gappmayr, Innsbruck

Anlässlich des 200. Geburtstages des großen Chemikers Justus Liebig, der über Jahrzehnte in Gießen forschte, veranstaltete die Galerie Dietgard Wosimsky im Mai 2003 eine Ausstellung mit dem Titel:
liebig : konkret. Die Frage stellt sich: Was verbindet Liebig mit der konkreten Kunst? Konkret bedeutet die Anerkennung des Faktischen, eine der Grundvoraussetzungen aller Naturwissenschaften, in der Kunst aber bedeutet dies die Präsentation von Farben und Formen in ihrer Realität. Die Ausstellung sollte zugleich eine Hommage an Justus Liebig sein.

Der Inkjetdruck "Dunkte Mitte" von BETTINA BRENDEL steht in diesem Zusammenhang für die Grenzen der Erkenntnis und die Rätselhaftigkeit der Welt. Ein anderes Werk von Bettina Brendel "Falten und Flächen" setzt in einem einheitlichen Bildraum kontrastierende Strukturen voneinander ab.

HELLMUT BRUCH dagegen stellt einen Ausspruch von Liebig in das Zentrum einer fluoreszierenden Kreisform aus Acryl.

Ein Triptychon von INGE DICK bezieht sich auf die entscheidende Entdeckung Liebigs, die künstliche Düngung des Bodens zur Erhöhung des Ertrags. Humus und Lehm sind ins Bildhafte transformiert.

Die Farbfolge wird im Text von HEINZ GAPPMAYR durch die syntaktische Umstellung der Wörter bestimmt, eine Analogie zur Struktur wissenschaftlicher Versuchsreihen.

Von EUGEN GOMRINGER das subtile Gedicht "beliebig durch liebig": Permutationen und Serialität zielen auf die Systematik der Forschung, das Vokabular auf die biologische Virulenz des Materials.

"Verbindung 190203" nennt EDDA JACHENS ein Atommodell in Rot, ein Bild schwebend und entrückt, durch die Verwendung von Paraffin und Wachspigment.

Hinter dem monumentalen Strichcode von JOSEF LINSCHINGER verbirgt sich das Wort "Natur", ein Begriff, der in den Wissenschaften eine wichtige Rolle spielt. Deutlich wird hier unter anderem die künstlerische Bedeutung der Differenz zwischen Linien und Zeichen.

Die "200 roten Proben" von HELLA NOHL sind eine Konstruktion aus Pillengläsern und Rotwein, ergänzend dazu eine Legende mit den Namen der Weine. Unverkennbar sind die Korrespondenzen des Weins als Naturprodukt zu Liebigs Arbeiten. Ein anderes Werk von HELLA NOHL, gemalt mit Liebigs Fleischextrakt, trägt den Titel "Liebig Tafel I".

JOHANNES RICHTBERG NOHL kehrt in einer mehrteiligen Wandinstallation einen Satz von Liebig um in ein Statement über die Kunst.

Die Maße 35x35x7 cm der beien Bilder "liebig konkret" von THOMAS VINSON beziehen sich auf Lebensdaten Liebigs. Zugleich sind die Bilder aber autonome Werke der konkreten Kunst. VINSONS "Spiegel pur" konstituieren je nach Standpunkt des Betrachters einen komplexen Raum gespiegelter Objekte.

Das interaktive Objekt von PETER VOGEL "Beliebige Tonfolgen" mit einer Photozelle und einem Lautsprecher reagiert mit Tönen auf die Anwesenheit des Rezipieten.

PETER WEBER schf zwei Portraits von Justus Liebig, verfremdete sie aber durch Faltung zu abstrakten Zeichnungen. Von Weber sind auch die gefalteten "zwei Dreiecke in Wandlung".

Dem Thema entsprechend stellten die beteiligten Künstler Arbeiten zur Verfügung, die sich entweder unmittelbar auf Justus Liebig beziehen oder sich zumindest mit ihm und seinen Forschungen in Verbindung bringen lassen. Formal und inhaltlich höchst unterschiedliche Werke von besonderer Qualität sind das Resultat der Begegnung konkreter Kunst mit Justus Liebig und den Naturwissenschaften.